Landesverband

Entstehungsgeschichte des heutigen Landesverbandes

Nachfolgend die Geschichte des Landesverbandes mit anschließender Übersicht der jeweilig Vorsitzenden (ab 1974 identisch mit den Vorsitzenden der CDU in Niedersachsen)

Die Gründung des Landesverbandes Oldenburg erfolgte am 11. März 1946 in Oldenburg. Vorangegangen waren eine Reihe von lokalen Neugründungen. Der erste Kreisverband der Union war am 19. November 1945 noch unter dem Namen „Christlich-Demokratische Partei" im Landkreis Vechta gegründet worden. Während der Parteiaufbau in Südoldenburg schnell erfolgte und die Partei auch bald nennenswerte Mitgliederzahlen erreichte, war die Situation im evangelischen Nordoldenburg schwerer. Hier hatte sich die „Demokratische Union" als bürgerliche Sammlungspartei gebildet. Mit der Konsolidierung der Parteienlandschaft löste sich diese Partei Anfang 1946 auf. Die meisten Mitglieder schlossen sich der Union an, manche gingen zur FDP.

In Braunschweig wurde der Kreisverband für den Stadt- und Landkreis Goslar als erster Kreisverband am 25. Oktober 1945 gegründet. Im evangelischen Braunschweig waren die Voraussetzungen für die Union nicht so günstig, wie in den katholischen Ländern. Der am 7. Dezember 1945 gegründete Landesverband Braunschweig erreichte bei den ersten Wahlen knapp 30 % der Stimmen.
In der Provinz Hannover erfolgte die Gründung eines Landesverbandes am 18. November 1945. Bernhard Pfad wurde Landesvorsitzender. Der Landesverband Hannover schloss das ehemals eigenständige Schaumburg-Lippe ein.
1950 wurde eine lose Zusammenarbeit der drei Landesverbände zur „CDU in Niedersachsen" vereinbart. Vorsitzende dieses Zusammenschlusses waren Adolf Cillien (1950–1960) und Otto Fricke (1960–1968). Ein Zusammenschluss zu einem einheitlichen Landesverband scheiterte vor allem am Widerstand des Landesverbandes Oldenburg. Dessen Landesvorsitzende Hermann Ehlers (1952–1954) und August Wegmann (1955–1965) bestanden auf der Selbstständigkeit ihrer „CDU Herzogtum Oldenburg". Im Jahr 1968 erfolgte ein wirksamer Zusammenschluss zu einem Dachverband. Die Landesverbände traten weitgehende Rechte an den neuen Dachverband CDU in Niedersachsen ab, so dass sie faktisch mit den Bezirksverbänden der CDU Hannover gleichgestellt sind. Sie bestanden aber aus Traditionsgründen weiter darauf, sich Landesverband nennen zu dürfen.

Die Gründung des Landes Niedersachsen

Nach dem Zweiten Weltkrieg waren zunächst die früheren Länder Braunschweig, Oldenburg und Schaumburg-Lippe sowie die Provinz Hannover mit jeweils eigenen parlamentarischen Körperschaften wiedererstanden. Am 23. August 1946 ernannte die Militärregierung die Provinz Hannover zum Land Hannover und Hinrich Wilhelm Kopf (SPD) zum Ministerpräsidenten. Das Land Niedersachsen wurde durch die britische Militärregierung dann am 1. November 1946 aus den selbständigen Ländern Braunschweig, Oldenburg, Schaumburg-Lippe und Hannover gebildet. Kopf wurde zum Ministerpräsidenten des neuen Landes Niedersachsen berufen. Der erste ernannte Niedersächsische Landtag trat am 9. Dezember 1946 in Hannover zusammen. Aus der 1. Landtagswahl 1947 ging die SPD als stärkste Partei hervor. Aufgrund der allgemeinen Notlage bildete Ministerpräsident Kopf eine Allparteienregierung aus SPD, CDU, DP, FDP, KPD und Zentrum.

Die Gründung der CDU in Hannover, Braunschweig und Oldenburg

Bereits kurz nach der Zulassung von Parteien durch die britische Militärregierung am 15. September 1945 kam es zur Gründung von Kreisverbänden der CDU. In Hannover beantragten Adolf Cillien, Bernhard Pfad, Arnold Fratzscher und Hans Wellmann am 1. Oktober 1945 die Zulassung der CDU. Nachdem noch weitere Kreisverbände entstanden waren, wurde am 14. November 1945 der CDU-Landesverband Hannover gründet. 1. Vorsitzender wurde Bernhard Pfad. Im Land Braunschweig entstand der erste Kreisverband der CDU am 20. Oktober 1945 in Goslar. Die Initiatoren der Gründung waren u.a. Heinrich Rönneburg, Otto Fricke und Georg Strickrodt. Wenig später wurde auch der CDU-Landesverband Braunschweig gegründet. Zum 1. Vorsitzenden wurde Rönneburg gewählt, der aber schon im November 1945 durch Georg Strickrodt ersetzt wurde. Der erste Kreisverband der CDU im Land Oldenburg wurde am 19. November 1945 u.a. von Heinrich Siemer, Anton Cromme und Franz Varelmann in Vechta gegründet. Der Landesverband der CDU Oldenburg entstand erst am 11. März 1946. Zum ersten Landesvorsitzenden wurde Fritz Söhlmann und zu seinem Stellvertreter Heinrich Siemer gewählt.

Zur Koordinierung ihrer Arbeit und zur Vorbereitung der Wahlen schlossen die CDU-Landesverbände Braunschweig, Hannover und Oldenburg am 14. Juni 1947 eine erste Vereinbarung. Als gemeinsames Organ wurde ein Zentralausschuss eingerichtet, der die gesamte CDU Niedersachsens nach außen vertreten sollte. Im Vorfeld der 2. Landtagswahl kam es am 20.Oktober 1950 in Goslar dann zur Gründung eines gemeinsamen Dachverbandes: der „CDU in Niedersachsen". Neben dem Zentralausschuss wurden noch eine gemeinsame Landesleitung, ein Zentralvorstand und ein gemeinsamer Parteitag aller Landesverbände geschaffen, der sich je zur Hälfte aus gewählten und aus Delegierten kraft Amtes zusammensetzte. Präsidierender Vorsitzender der CDU in Niedersachsen wurde der Landesvorsitzende von Hannover Adolf Cillien. Die Selbständigkeit der Landesverbände Braunschweig, Hannover und Oldenburg blieb jedoch erhalten.

Weiterlesen...


Die Niederdeutsche Union und erste Regierungsbeteiligung

In Niedersachsen war die Zersplitterung des bürgerlichen Lagers zunächst besonders stark. Neben der CDU konkurrierten noch die Niedersächsische Landespartei (ab 1947 Deutsche Partei, DP), die FDP, das katholische Zentrum und ab 1950 auch der Bund der Heimatvertriebenen und Entrechteten (BHE) um Wähler und Mitglieder. Im Vorfeld der Landtagswahl 1951 gründeten CDU und DP deshalb das Wahlbündnis „Niederdeutsche Union" (NU). Wegen des schlechten Abschneidens der NU bei der Wahl wurde das Bündnis aber 1955 wieder aufgegeben. Allerdings bildeten CDU und DP noch bis 1959 eine Fraktionsgemeinschaft im Landtag. Wie 1947 so ging die SPD auch 1951 als Sieger aus der Landtagswahl hervor. Sie bildete eine Regierungskoalition mit dem neu im Landtag vertretenen BHE. Ministerpräsident blieb Hinrich Wilhelm Kopf. Auch bei der Landtagswahl 1955 blieb die SPD die stärkste Partei in Niedersachsen. Doch konnte sich die CDU stark verbessern und bildete zusammen mit der DP, dem BHE und der FDP eine Regierungskoalition. Neuer Ministerpräsident wurde der DP-Vorsitzende Heinrich Hellwege. In dem Maße, in dem die CDU in den 1950er Jahren stärker wurde, wurden die anderen bürgerlichen Parteien schwächer. Viele Abgeordnete und Funktionäre der DP, des Zentrums und des BHE traten zur CDU über. Ab 1963 waren außer der SPD nur noch CDU und FDP im Landtag vertreten.

Die Gründung der CDU in Niedersachsen

Mitte der 1960er Jahre wurde ein neuer Versuch unternommen, einen gemeinsamen niedersächsischen CDU-Landesverband zu gründen. Das Parteiengesetz von 1967 verlieh diesem Versuch die notwendige Dringlichkeit. Auf dem Parteitag in Bad Rothenfelde im Mai 1968 scheiterte zwar der Zusammenschluss der Landesverbände Braunschweig, Hannover und Oldenburg am Widerspruch der Oldenburger. Allerdings konnte eine weitreichende Organisationsreform durchgeführt werden. Neben dem gemeinsamen Landesparteitag, dessen Delegierte nun alle in den Kreisverbänden gewählt wurden, gab es jetzt noch einen vom Parteitag gewählten Landesausschuss sowie einen Landesvorstand. Nach dem Verzicht des präsidierenden Vorsitzenden Otto Fricke auf eine weitere Amtszeit musste 1968 ebenfalls ein neuer Vorsitzender der CDU in Niedersachsen gewählt werden. Die Wahl fiel auf den jungen Landwirtschaftsminister Wilfried Hasselmann. Unter seiner Führung entwickelte sich die CDU in den folgenden Jahren zur echten Volkspartei. Zwischen 1969 und 1980 stieg ihre Mitgliederzahl von 31.000 auf fast 100.000.

Die Ära Albrecht/Hasselmann

1976 trat Ministerpräsident Alfred Kubel (SPD) zurück und wollte sein Amt dem bisherigen Finanzminister Helmut Kasimier (SPD) übergeben. Die Regierungskoalition aus SPD und FDP verfügte im Landtag aber nur über die Mehrheit von einer Stimme. Neben Kasimier kandidierte auch der CDU-Landtagsabgeordnete Ernst Albrecht für das Amt des Ministerpräsidenten. Bei der geheimen Wahl am 14./15. Januar 1976 im Landtag kam es zu einer Sensation: Albrecht erhielt mehr Stimmen als Kasimier. Am 6. Februar 1976 wurde Albrecht mit Stimmen aus der alten Regierungskoalition zum neuen Ministerpräsidenten gewählt.
Zusammen mit dem beliebten Parteivorsitzenden Hasselmann bildete er bis 1990 ein erfolgreiches Gespann. Bei den Landtagswahlen 1978 und 1982 erreichte die CDU mit ihrem populären Ministerpräsidenten sogar absolute Mehrheiten. Die Landtagswahl 1986, die unter dem Eindruck des Reaktorunfalls von Tschernobyl stand, konnte die CDU noch einmal knapp gewinnen. Mit der FDP bildete sie erneut eine Regierungskoalition. Die Legislaturperiode bis 1990 war dann geprägt von Sparbemühungen der Landesregierungen und kleineren Skandalen.
Mit Albrecht als Spitzenkandidat, der im Wahlkampf allerdings mit Rita Süßmuth schon seine mögliche Nachfolgerin vorstellte, ging die CDU in die Landtagswahl 1990. Bei der Wahl wurde die SPD wieder zur stärksten Partei in Niedersachsen und bildete eine Regierungskoalition mit den Grünen. Neuer Ministerpräsident wurde Gerhard Schröder. Hasselmann, der schon 1988 als Innenminister zurückgetreten war, gab 1990 auch sein Amt als Vorsitzender der CDU in Niedersachsen auf. Mit dem Rückzug von Ernst Albrecht und Wilfried Hasselmann ins Privatleben endete 1990 die erfolgreiche Ära Albrecht/Hasselmann.

Wieder in der Opposition

Zum neuen Vorsitzenden der CDU in Niedersachsen wurde der frühere Innenminister Josef Stock gewählt. Als Oppositionsführer im Landtag fungierte Jürgen Gansäuer. Stock und Gansäuer hatten die schwierige Aufgabe, der verunsicherten CDU wieder neues Selbstvertrauen zu geben. Auf der Suche nach einem Spitzenkandidaten für die Landtagswahl 1994 schlug Stock 1992 den jungen Christian Wulff vor. Mit großer Mehrheit wurde Wulff im Januar 1993 vom Landesparteitag zum Spitzenkandidaten gewählt. Doch gegen die SPD mit Ministerpräsident Schröder hatte der unerfahrene und unbekannte Wulff zunächst keine Chance. Bei den Landtagswahlen 1994 und 1998 musste die CDU starke Verluste hinnehmen.

Die Ära Wulff/McAllister

Nach der verlorenen Landtagswahl 1994 zog Wulff erstmals in den Landtag ein und übernahm sogleich von Gansäuer das Amt des Fraktionsvorsitzenden. Im Juni 1994 wurde er außerdem zum Vorsitzenden der CDU in Niedersachsen gewählt. Auch nach dem Misserfolg bei der Landtagswahl 1998 blieb Wulff der unangefochtene Landesvorsitzende. Der intensiv vorbereitete Landtagswahlkampf 2003 brachte dann den ersehnten Erfolg.
Christian Wulff löste Sigmar Gabriel als Ministerpräsident ab und bildete mit der FDP eine Regierungskoalition. Das Amt des CDU-Fraktionsvorsitzenden im Landtag übernahm der junge David McAllister. Auch als Regierungspartei blieb die CDU attraktiv: Mit über 80.000 Mitgliedern war sie 2004 die mitgliederstärkste Partei in Niedersachsen. Nach der Landtagswahl 2008 blieb Wulff Ministerpräsident und setzte die Regierungskoalition mit der FDP fort. Völlig überraschend gab er jedoch im Juni 2008 den Landesvorsitz an seinen „Kronprinzen" David McAllister ab. Als Wulff 2010 zum Bundespräsidenten gewählt wurde, stand dann McAllister bereit, auch das Amt des Ministerpräsidenten zu übernehmen.




Leitende Positionen

Vorsitzende

ab 1974 identisch mit den Vorsitzenden der CDU in Niedersachsen


1945-1947 Bernhard Pfad
1947-1948 Paul Otto
1948-1950 Günther Gereke
1950-1960 Adolf Cillien
1960-1962 Philipp Rüschemeyer
1962-1964 Martin Boyken
1964-1967 Hans-Christoph Seebohm
1967-1968 Josef Stecker
1968-1974 Richard Langeheine
1974-1990 Wilfried Hasselmann
1990-1994 Josef Stock
1994-2008 Christian Wulff
seit 2008 David McAllister

Generalsekretäre

ab 1986 auch der CDU in Niedersachsen


1946-1968 Arnold Fratzscher
1986-2002 Hartwig Fischer
2002-2003 David McAllister
2003-2005 Friedrich-Otto Ripke
seit 2006 Ulf Thiele

Geschäftsführer

ab 1982 auch Generalsekretäre, auch der CDU in Niedersachsen


1946-1948 Hans Wellmann
1949-1952 Erich Oestreich
1952-1956 Fritz Leser
1956-1960 Carl von Münster
1960-1969 Arnold Fratzscher
1969-1976 Dieter Haaßengier
1976-1977 Eberhard Wicke
1977-1985 Hans-Dierk Bobzien
1985-1986 Martin Biermann
1986-2002 Hartwig Fischer
2002-2003 David McAllister
2003-2005 Friedrich-Otto Ripke
seit 2006 Ulf Thiele


CDU in Niedersachsen CDU Fraktion Niedersachsen